Predigt von Pfarrer K.Noack beim Gottesdienst mit der niederländischen Gemeinde Rekken-Eibergen

                                               Predigt über Röm. 5, 1-5;

11. März 2017 in Vreden am Vorabend von Reminiscere

im Gemeinschaftsgottesdienst mit den Gästen aus der Kirchengemeinde Rekken Eibergen von Pfarrer Klaus Noack

 

I

I/1

„Du kummst hier nit `rein!“ – Kennen Sie diese Worte des Komikers Kaya Yanar in seiner Rolle als türkischer Türsteher noch? Es ist schon ein paar Jahre her; die alten Wiederholungen laufen möglicherweise nicht einmal mehr im Privatfernsehen. Aber der Ausspruch ist zum geflügelten Wort geworden. Wir lachen immer noch über diese prollige Ausdrucksweise und zitieren ihn bei jeder passenden Gelegenheit.

Wir lachen darüber, denn wir hören ihn nicht als persönlich an uns gerichtet. Wir sind nicht gemeint; wir sind nicht betroffen. Denn wir wollten gar nicht in die Disco! Wir standen nicht in der Schlange der Wartenden; wir wurden nicht aussortiert, weil jemandem unsere Nase nicht paßte. Jemandem, der die Muskeln und die Autorität hat, uns abzuweisen.

I/2

„Du kummst hier nit `rein!“ – es würden nur noch 10 – 20%  lachen, wenn ich den Spruch nicht auf „Deutsch-türkisch“/“Türk-Sprech“ vortragen würde, sondern auf „Deutsch-Deutsch“: „DU kommst HIER NICHT rein!“ – Dann fallen uns die Millionen Menschen auf der Flucht ein, die an Stacheldraht, Mauern und Meere gelangen und dort aufgehalten und zurückgewiesen werden: Keine Zeit, ihre Millionen Geschichten zu hören. Keine Zeit, in  ihre Millionen Gesichter zu sehen. Kein Platz für diese Menschen in der „Festung Europa“. – Ihr Platz ist da, wo Krieg und Verfolgung herrscht. Oder da, wo sie in Flüchtlingslager gesperrt sind, hinter Zäunen, in Zelten ohne Heizung, ohne Kanalisation, ohne ausreichende Nahrung und ohne zureichende medizinische Versorgung; mit Kriminalität, Gewalt, und mit Ratten: da, wo die Säuglinge sterben. Da können sie bleiben! – Oder im Laderaum eines LKW. Oder auf dem Schlauchboot auf dem Meer.

I/3

Menschen in der Hoffnung auf Schlepper und Menschenhändler.

Diejenigen, die es bis zu uns geschafft haben, sind nicht im Land ihrer Träume angekommen, sondern auf dem Boden der Tatsachen.

Nur wer wirklich aus Krieg, Verfolgung und Lebensgefahr kam, hat es hier besser als da. Die meisten sind nicht am Ziel ihrer Reise, sondern an einer Station ihres Lebensweges angelangt.

Sie haben dafür einen hohen Preis bezahlt. Menschlich zahlen sie diesen Preis immer noch, jeden Tag.

Wir müssen ihnen und ihrer Passionsgeschichte mit menschlichem Respekt begegnen.

Gerade als Christen in einem Land, dessen Leitkultur 500 Jahre nach Luther nicht mehr christlich ist, sondern a-religiös – das beklagen wir doch selbst oft genug.

 

II

„Ich bin gekommen, Ihnen mitzuteilen, daß heute Ihre Ausreise … (der Rest ist im Jubel untergegangen)“ – wir erinnern uns noch an diesen berühmten Halbsatz des Außenministers Hans-Dietrich Genscher; an die Balkonszene in der Prager Botschaft (der Bundesrepublik Deutschland) vor 400 DDR-Flüchtlingen.

Ein Satz, der für sie zum Türöffner wurde, als Ouvertüre zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung (Deutschlands) 1989.

Die 400 wurden mit offenen Armen empfangen. Schon wenige Tage später wurden Grenzen zwischen Menschen und Kulturen sichtbar – und Mauern in den Köpfen.

 

III

III/1

Paulus gebraucht in seinem Römerbrief, in unserem Predigttext, ein Wort, das wir noch vor Jahren glatt überlesen und überhört hätten; ein Wort, das uns heute aufmerken und vielleicht sogar aufschrecken läßt in seiner lebensverändernden, weltverändernden Dramatik: „Zugang“! – Bej God mogen komen!

III/2

1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christ. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Römer 5, 1-5

 

IV

IV/1

Jerusalem, um das Jahr 30 n. Chr.

Der Tempel steht auf einem Berg in der Stadt; in einer Enklave im römisch besetzten Land. In der Provinz „Palästina“, in der nicht einmal mehr der Name daran erinnert, daß hier Juden leben und daß dies ein Teil des ihnen von Gott „Gelobten Landes“ war.

Eine  jüdische Tempelwache mit Holzknüppeln und ohne Schwerter regelt die innere Ordnung in diesem Bezirk alter religiöser Tradition. Achtet darauf, daß es ordentlich zugeht im Bezirk. Daß die Römer ja keinen Grund und Vorwand zum Eingreifen dort finden!

Daß gegen die alten, religiösen Vorschriften nicht verstoßen wird: Daß Ungläubige ab dem inneren Vorhof außen vor bleiben. Daß Frauen nicht aus dem ihnen erlaubten Vorhof in die ihnen verbotenen Vorhöfe der Männer und der Priester übertreten. Daß sich niemand dem Allerheiligsten näherte – das durfte nur der oberste Priester der Juden und das auch nur einmal im Jahr (am großen Versöhnungstag, an „Yom Kippur“) betreten. Eine klare Zugangsregelung, ohne Kompromisse, ohne Ausnahmen.

IV/2

Und dann riß der Vorhang des Tempels „mitten entzwei, von oben an, bis unten aus.“ (Lk 23, 45).

Als Jesus starb, fiel diese Trennlinie zwischen Mensch und Gott hin. Gott war ein Sterblicher geworden, leidend wie wir. In Schmerzen; in Angst – und ein Opfer von Unrecht und Ungerechtigkeit wie unsereiner. Gott war einer von uns! Ein Wesen aus Fleisch und Blut. Und Gott tat seinen letzten Atemzug.

IV/3

Und der römische Hauptmann unter dem Kreuz kam angesichts dessen zum Glauben an den Gekreuzigten als dem lebendigen Gott. Und seine lebendige Botschaft der Liebe. Einer Liebe, die auch den Feinden gilt. Die die letzte Grenze überschreitet.

Von dort nahm die Osterbotschaft ihren Ausgang. Die Botschaft, das Leben nicht mehr vom Trennenden her zu denken, sondern von der Gemeinschaft und dem Kontakt.

Im Kontakt erweist sich das Leben als stärker als der Tod. Die Liebe stärker als der Haß. Die vereinten Kräfte der Menschen stärker als die Angst, die isoliert.

Unheil erfährt hier eine heilvolle Wendung.

 

V

V/1

Noch ist die gefallene Schöpfung Gottes nicht an jedem Ort mit Gottes Reich in Deckung.

Aber Gott ist an jedem Ort seiner Schöpfung gegenwärtig.

In der leidenden Kreatur gegenwärtig. In der gewagten Liebe gegenwärtig. In dem gewagten Schritt auf dem Weg, der aus dem Lande der Knechtschaft in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes führt: gegenwärtig auf dem Weg.

V/2

Das Schilfmeer ist vor uns geteilt.

Vor uns liegt die lange und bange Strecke der Wüstenwanderung. Es wird nicht einfach. Doch es ist der Weg aus der Vergangenheit des Todes in die Zukunft des Lebens.

Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6).

 

VI

VI/1

Der Tempelvorhang ist zerrissen. Der letzte Vorhang ist gefallen.

Nun haben wir Zugang zu Gott, und Gott hat Zugang zu uns: zu verletzlichen, verletzten, verletzenden und vergänglichen Menschen.

Wir alle haben Zugang zu Gott; wir alle miteinander: „Hier ist nicht Jude noch Grieche“, schreibt Paulus (Gal 3, 28), hier ist nicht die eine Sorte Christenmensch und die andere Sorte Christenmensch; hier ist nicht die eine Sorte Mensch noch die andere Sorte Mensch; hier ist nicht Deutscher oder Niederländer, nicht Einheimischer noch Fremdling; „hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

VI/2

Darum haben wir uns verabredet, einander über die Grenzen hinweg zu begegnen.

Gottes Erlösung der Welt beginnt damit, daß wir einander unsere Geschichten erzählen und die Geschichten der anderen hören.

Denn der Glaube (Zugang und Zugänglichkeit) kommt aus dem Zuhören! (vgl. Röm 10, 14-17)

 

AMEN

 

 

Preek over Romeinen 5: 1-5;

11 maart 2017 in Vreden, de avond voor Riminiscere,

in de gemeenschappelijke kerkdienst met de gasten van de kerkgemeente Rekken-Eibergen
door dominee Klaus Noack

 

I

I/1

"Du kummst hier nit `rein!" ("Je kompter nie in!")– Kent u deze zin van de komiek Kaya Yanar in zijn rol als Turkse uitsmijter nog? Het is al weer enige jaren geleden. De oude herhalingen lopen misschien zelfs op tv al niet meer. Maar deze zin is een gevleugelde uitspraak geworden. We lachen nog steeds om deze botte manier van uitdrukken en citeren de zin bij elke passende gelegenheid.

We lachen erom, omdat we het niet persoonlijk opvatten. Wij worden hier niet bedoeld. Wij zijn niet dronken. Wij wilden niet eens die disco in! Wij stonden niet in de lange wachtrij. Wij werden er niet uitgehaald en weggestuurd, omdat onze neus iemand niet aanstond. Iemand met de spieren en de autoriteit om ons af te wijzen.

I/2

"Du kummst hier nit `rein!" – Er zou slechts nog 10 – 20%  lachen, wanneer dit niet met 'Duits-Turks' accent gezegd werd, maar in het 'Duits-Duits': "DU kommst HIER NICHT rein!" – Dan denken we aan de miljoenen mensen op de vlucht, die aankomen bij prikkeldraad, muren en zeeën en daar tegengehouden en teruggestuurd worden. Geen tijd om naar al die miljoenen verhalen te luisteren. Geen tijd om al die miljoenen gezichten te zien. Geen plaats voor deze mensen in de 'vesting Europa'. – Hun plaats is daar waar oorlog en vervolging is. Of daar, waar ze in vluchtelingenkampen opgesloten zitten. Achter hekken, in tenten zonder verwarming, zonder riool, met te weinig voedsel en te weinig medische verzorging, maar met criminaliteit, geweld en ratten. Daar waar de baby's sterven. Daar kunnen ze blijven! Of in de bak van een vrachtwagen. Of in een roeiboot op de zee.

I/3

Mensen die hopen op mensensmokkelaar en mensenhandelaar.

Diegenen die het gelukt is om bij ons te komen, zijn niet in het land van hun dromen aangekomen. Maar op de bodem van de harde feiten.

Alleen degene die echt uit de oorlog, vervolging en het levensgevaar komt, die heeft het hier beter dan daar. De meesten zijn niet bij de plaats van bestemming aangekomen, maar op een tussenstation op hun levensweg.

Daar hebben ze een hoge prijs voor betaald. En menselijk gezien betalen ze die prijs nog, elke dag.

Wij moeten hen en hun lijdensgeschiedenis met menselijk respect bejegenen. 

Juist als christenen in een land waar de hoofdcultuur 500 jaar na Luther niet meer christelijk is, maar areligieus – daar klagen we zelf toch vaak genoeg over.

 

II

„Ich bin gekommen, Ihnen mitzuteilen, daß heute Ihre Ausreise …"Ik ben gekomen, om u mee te delen, dat uw vertrek vandaag ..." (de rest is in het gejuich verloren gegaan)“ – we kunnen ons deze beroemde halve zin van de minister van buitenlandse zaken Hans-Dietrich Genscher nog herinneren. De balkonscène in de Praagse ambassade (van de Bondsrepubliek Duitsland) voor 400 DDR-vluchtelingen. Een zin die veranderde in een deur-opener. Als ouverture voor de val van de muur en de eenwording van Duitsland in 1989.

Die 400 mensen werden met open armen ontvangen. Maar slechts enkele dagen later werden de grenzen tussen mensen en culturen zichtbaar. En de muren in hun hoofden.

 

III

III/1

Paulus gebruikt in zijn brief aan de Romeinen, in onze tekst voor de preek, een woord dat we jaren geleden nog over het hoofd zouden hebben gezien. Een woord dat ons vandaag de dag juist op laat letten, misschien zelfs wel opschrikt door zijn levens-veranderende, wereld-veranderende dramatiek: 'toegang'! – Bij God mogen komen!

III/2

1.Wij zijn dus als rechtvaardigen aangenomen op grond van ons geloof en leven in vrede met God, door onze Heer Jezus Christus. 2. Dankzij hem hebben we door het geloof toegang gekregen tot Gods genade, die ons fundament is, en in de hoop te mogen delen in zijn luister prijzen we ons gelukkig, 3. En dat niet alleen, we prijzen ons zelfs gelukkig onder alle ellende, omdat we weten dat ellende tot volharding leidt, 4. volharding tot betrouwbaarheid, en betrouwbaarheid tot hoop. 5. Deze hoop zal niet worden beschaamd, omdat Gods liefde in ons hart is uitgegoten door de Heilige Geest, die ons gegeven is. Romeinen 5: 1-5, NBV)

 

 

IV

IV/1

Jerusalem, in het jaar 30 n. Chr.

De tempel staat op een berg in de stad. In een enclave in een land bezet door de Romeinen. In de provincie 'Palestina'. Zelfs de naam herinnert er niet meer aan dat hier Joden wonen en dat het een deel van het 'Beloofde Land' was.

Een Joodse tempelwacht met houten knuppels en zonder zwaarden regelt de orde in dit gebied. Oude religieuze traditie. Let erop dat alles er netjes aan toegaat in dat gebied. Dat de Romeinen vooral geen reden of aanleiding vinden om daar in te grijpen!
Dat de oude, religieuze voorschriften niet overtreden worden: dat ongelovigen niet verder komen dan voor de binnenste voorhof. Dat vrouwen niet in de voorhoven van de mannen en de priesters komen, die zijn voor hen verboden terrein. Dat niemand het heilige der heiligen nadert – dat mag alleen de hogepriester van de Joden betreden, en dat ook maar één keer per jaar (op grote Verzoendag, 'Yom Kippoer'). Een duidelijke toegangsregeling. Zonder compromissen, zonder uitzonderingen.

IV/2

En 'toen scheurde het voorhangsel van de tempel doormidden'  (Luk. 23: 45).

Toen Jezus stierf viel deze scheidslijn tussen mens en God weg. God was sterfelijk geworden. Lijdend, net als wij. Met pijn, angst – en een slachtoffer van onrecht en ongerechtigheid, als een van ons. God was één van ons! Een wezen van vlees en bloed. En God blies zijn laatste adem uit.

IV/3

En de Romeinse hoofdman bij het kruis zag het, en kwam tot geloof. Geloof in de Gekruisigde als de Levende God. En zijn levende boodschap van liefde. Een liefde die ook je vijanden geldt. Die de laatste  grens overgaat.

En daar en toen ontstond de paasboodschap. De boodschap, om het leven niet meer te beschouwen vanuit scheiding, maar vanuit gemeenschap en contact.

In het contact blijkt het leven sterker dan de dood. De liefde sterker dan de haat. De vereende krachten van de mensen sterker dan de angst die isoleert.

Onheil krijgt hier een heilvolle wending.

 

V

V/1

De gevallen schepping van God is nog niet overal met Gods rijk in overeenstemming.

Maar God is op elke plaats in zijn schepping aanwezig.

Aanwezig in de lijdende creatie. Aanwezig in de gewaagde liefde. In de gewaagde stap op de weg die uit het land van de slavernij leidt naar de heerlijke vrijheid van Gods kinderen: aanwezig op de weg.

V/2

De Rode Zee is voor ons gespleten.

Voor ons ligt de lange en bange weg door de woestijn. Het zal niet makkelijk worden. Maar het is de weg uit het verleden van de dood naar de toekomst van het leven.

Jezus Christus is de weg, de waarheid en het leven. (Joh. 14:6)

 

VI

VI/1

Het voorhangsel in de tempel is gescheurd. Het laatste doek is gevallen.

Nu hebben we toegang tot God en God heeft toegang tot ons. Tot mensen die pijn gedaan kunnen worden, die pijn hebben, die pijn doen en  die vergankelijk zijn.

Wij hebben allemaal toegang tot God. Wij met elkaar: 'Er zijn geen Joden of Grieken meer', schrijft Paulus (Gal. 3:28). Hier heb je niet de ene soort christen en de andere soort christen. Hier is niet de ene soort mens of de andere soort mens. Hier is geen Duitser of Nederlander, niet autochtoon of vreemdeling. Geen 'slaven of vrijen, mannen of vrouwen – u bent allen één in Christus Jezus.'

VI/2

Daarom hebben we afgesproken om elkaar over de grens heen te ontmoeten.

Gods verlossing van de wereld begint ermee, dat we elkaar onze verhalen vertellen en dat we luisteren naar de verhalen van de ander.

Want het geloof (toegang en toegankelijkheid) komt door het  luisteren! (vgl. Rom. 10: 14-17)

 

AMEN